Schneidwerkzeugmechaniker als High-Tech-Beruf

Schneidwerkzeugmechaniker als High-Tech-Beruf und die Chancen und Risiken für die Unternehmen der Branche

Den deutschen Schleifbetrieben geht es nach überstandener Krise wieder sehr gut. Neue Herausforderungen sind indes steigende Lieferzeiten bei Zulieferern und zunehmende  Engpässe bei Halbzeugen. Uwe Schmidt, Vizepräsident des FDPW, thematisiert im Gespräch mit Chefredakteur der Fachzeitschrift "FERTIGUNG" Richard Pergler die Chancen und Risiken für die Unternehmen der Branche.

Wie haben sich die Unternehmen seit der Krise entwickelt? Im Maschinenbau gab es wieder große Zuwächse – auch bei den Präzisionswerkzeugen?

Die Krise hatte viele FDPW-Mitgliedsbetriebe hart getroffen. Nahezu alle Verbandsmitglieder haben diese schwierige Zeit aber erfolgreich überstanden.  2011 war für fast alle Unternehmen ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr. Stetig steigende Lieferzeiten bei Zulieferern und Engpässe bei Halbzeugen sind derzeit die größten Probleme.

Wie beurteilen Sie das Jahr 2012 in Bezug auf die Branche?

Die Entwicklung in unserer Branche ist natürlich eng mit der Entwicklung in der verarbeitenden Industrie verknüpft. Dabei spielt das europäische Umfeld eine Schlüsselrolle. Die Auswirkungen der Krise im Euroraum werden auf die deutsche Wirtschaft durchschlagen und damit direkt auch in der Werkzeugbranche spürbar sein.

Wir hatten  in diesem Jahr einen guten Start. Wir erwarten, dass sich die guten Bedingungen noch  über die GrindTec hinaus fortsetzen. Es ist aber zu befürchten, dass sich das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte aufgrund der europäischen Rahmenbedingungen abschwächen wird.

Was tut sich international beim Werkzeugschleifen? Wie steht der FDPW zu anderen Verbänden, und wie engagiert er sich international?

Es gibt in einigen anderen Ländern  dem FDPW ähnliche Fachverbände, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Die Verbände der Schweiz und Österreichs nutzen unsere Fachzeitschrift, das „FORUM Scheidwerkzeug u. Schleiftechnik“, als Publikationsplattform. Es gibt hier  eine sehr konstruktive Zusammenarbeit und regelmäßigen Erfahrungsaustausch.

Die hohe Qualität unserer Berufsausbildung und unserer Meisterschule für Schneid- und Schleiftechnik wird auch in unseren Nachbarländern sehr geschätzt. Der FDPW konnte erreichen, dass auch Auszubildende und Meisterschüler aus Österreich und aus der Schweiz in Bad Neustadt ausgebildet werden können.

Wir besuchen regelmäßig die Veranstaltungen und Messen der befreundeten Verbände in Europa und halten Kontakt zu unseren Berufskollegen in China und Japan. Fast alle europäischen Verbände sind auf unserem Stand auf der GrindTec vertreten.

Wie entwickeln sich die Unternehmen der Branche hierzulande – technisch, in ihren Strukturen, personell?

Viele Schleifbetriebe haben sich zu hochspezialisierten Werkzeugbearbeitern entwickelt, mit allem was dazugehört: mit CNC-Bearbeitungszentren, QM-System, Onlineshop, hochspezialisierten Mitarbeitern und einem Know-how, das über Jahrzehnte gewachsen ist. Der Umsatzanteil, der mit der Neuanfertigung von Schneidwerkzeugen generiert wird, in den letzten Jahren rapide angestiegen.

In vielen Schleifereien stehen noch manuelle Maschinen. Auch in Zukunft? Sind künftig noch Betriebe ohne CNC-Maschinenpark möglich?

Manuelle Maschinen werden auch auf lange Sicht aus den Betrieben nicht wegzudenken sein. Die Art der eingesetzten Maschinen hängt aber stark von der Fertigungsstruktur des jeweiligen Unternehmens ab. Die Herstellung und die Instandsetzung von modernen Schaftfräsern oder Metallkreissägeblättern ist heute ohne CNC-Bearbeitungszentren nahezu unmöglich. Maschinenmesser und Kreismesser werden aber immer noch überwiegend auf Maschinen mit konventioneller Steuerung bearbeitet. Für die Instandsetzung von Handwerkzeugen, von Garten- und Forstgeräten, von Messern und Scheren wird der Einsatz von CNC-Maschinen auch in Zukunft die Ausnahme sein. Dort kommt es in hohem Maße auf die Qualifikation und die Fertigkeiten der Mitarbeiter an.

Wie gestaltet sich die Personalsituation? Wird der Facharbeitermangel spürbar? Gibt es genügend (gute) Auszubildende?

Der Facharbeitermangel trifft uns ebenso wie alle anderen metallverarbeitenden Branchen. Die Suche nach Fachkräften und Auszubildenden gestaltet sich zunehmend schwieriger, bedingt durch die demographischen Entwicklung und sinkenden fachlichen Kompetenzen der Schulabgänger.

Die Zahl von Ausbildungsplatzbewerbern hat schon in den vergangenen zwei Jahren rapide abgenommen. Hier wird es darauf ankommen, das Berufsbild in der breiten Öffentlichkeit bekannter zu machen und die Jugendlichen für den interessanten und anspruchsvollen Beruf des Schneidwerkzeugmechanikers zu interessieren.

Reichen die bisherigen Qualifikationen der Mitarbeiter aus? Was gibt es für Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung? Welche „Karrierewege“ gibt es?

Es wird immer schwieriger branchenfremde Mitarbeiter einfach anzulernen. Die Komplexität der Werkzeuge (z.B. Schaftfräser up/down) nimmt permanent zu, Toleranzen werden immer kleiner und die Produktivität  der Maschinen steigt fortwährend. Dafür werden in den Schleifbetrieben hochqualifizierte Fachleute gebraucht. Die Grundlage ist die Ausbildung zum Schneidwerkzeugmechaniker. Darauf aufbauend bietet die Ausbildung zum Schneidwerkzeugmechaniker-Meister in der Meisterschule für Schneid- und Schleiftechnik in Bad Neustadt die solide Grundlage langfristigen Berufserfolges.

Weiterhin bieten  der FDPW mit der Fachakademie für Schneid- und Schleiftechnik als auch die Maschinenhersteller und Zulieferer regelmäßig eine Vielzahl von fachspezifischen Kursen und Seminaren an.

Was können die Hochschulen für die Branche tun und wie können Betriebe am Wissen der Hochschulen partizipieren?

Der rasanten Entwicklung moderner Fertigungsverfahren müssen sich die Schleifbetriebe permanent anpassen. Derzeit ist beispielsweise die Schneidkantenpräparation bei VHM-Spiralbohrern in aller Munde. Verschiedenste Forschungseinrichtungen haben sich dem Thema verschrieben und versuchen wirtschaftliche und produktive Verfahren dafür zu entwickeln.

Der FDPW hat engen Kontakt zu den Hochschulen und Universitäten und gibt für unsere Branche relevante Forschungsergebnisse an seine Mitglieder weiter. Die Kommunikation erfolgt über unsere Homepage, die Verbandszeitung und Infobriefe an die Mitglieder.

Oft wird die Umständlichkeit der Software beklagt, zwischen den einzelnen „Welten“ (Schleifmaschine, Messmaschine etc.) fehlt die Durchgängigkeit (Schnittstellen). Immer wieder werden Überlegungen nach Standardisierung laut. Wie steht der FDPW dazu? Was geschieht da derzeit?

Im November 2011 wurde ein VDI-Arbeitskreis initiiert, der das Thema "Standardisierte Datenschnittstelle für Schleif- und Messmaschinen" bearbeitet. Zielsetzung ist, die sogenannte GDX-Schnittstelle als offiziell anerkannte VDI-Richtlinie umzusetzen. Unter der Leitung des iWFT der RFH Köln und der Hochschule Reutlingen beteiligen sich folgende Firmen aktiv an der Umsetzung: Zoller, Walter, Prototyp, Schuette, Schneeberger, ISBE, GAS, Anca.
Der FDPW begrüßt diese Entwicklung, da er sich für viele seiner Mitgliedsfirmen zukünftig einen deutlichen Vorteil hinsichtlich Prozessdurchgängigkeit in Werkzeugschleifbetrieben erwartet.
Als Highlight auf der GrindTec 2012 werden sowohl Schleif- und Messmaschinenhersteller sowie Hersteller von Softwaresystemen eine erste Realisierung der GDX-Schnittstelle präsentieren.

Wie sehen Sie den Stellenwert der Messe GrindTec ? Was erwarten Sie sich davon? Wie sehen Sie den Wettbewerb „Werkzeugschleifer des Jahres“?

Die GrindTec hat sich zur weltweit wichtigsten Messe  rund um die Bearbeitung von Schneidwerkzeugen entwickelt. Nachdem die GrindTec 2010 den Umschwung nach der Krise eingeleitet hat erwarten wir von der GrindTec 2012 deutliche Impulse für die Branche hinsichtlich Produktivität und Wirtschaftlichkeit.

Der Wettbewerb „Werkzeugschleifer des Jahres“ ist eine ausgezeichnete Möglichkeit das Berufsbild des Schneidwerkzeugmechanikers als High-Tech-Beruf ins rechte Licht zu rücken. Wir brauchen diese Veranstaltung,  um die Vielschichtigkeit des Berufes zu zeigen. Hier können wir den hohen Anspruch verdeutlichen, dem unsere Mitarbeiter tagtäglich gerecht werden.

Aus Fachzeitschrift Fertigung Ausgabe Februar 2012

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